Wie ein Traum, den man nicht weitererzählen kann

Der Quantenphysiker Charles H. Bennett zu Gast am Bach-Gymnasium

Mittwoch, 16.09.2026

Manche Vorträge bleiben hängen, weil man sie nicht ganz versteht – und sie trotzdem nicht mehr vergisst. So einer war der Besuch von Charles H. Bennett. Der amerikanische Physiker, IBMFellow und einer der Begründer der Quanteninformatik, stand Mitte September vor rund hundert Schülerinnen und Schülern und erklärte ausgerechnet das, was als unbegreiflich gilt: die Quantenwelt. Und das fast ganz ohne Formeln.

Bennett ist kein Unbekannter. Er hat die Quantenteleportation mitentwickelt und gemeinsam mit Gilles Brassard die erste Methode der Quantenkryptografie erfunden – Ideen, auf denen heute ganze Forschungszweige aufbauen. Umso überraschender, wie beiläufig er begann. Nicht mit einer Gleichung, sondern mit einem Bild: Ein Schüler sei wie ein Quantenteilchen, der Professor wie ein Messgerät. Fragt der Professor „senkrecht oder waagerecht?“, muss der Schüler sich festlegen – obwohl er vorher irgendwo dazwischen lag, bei etwa 42 Grad. Ein Lachen ging durch den Raum, und nebenbei war die Superposition erklärt.

Am längsten bleibt sein Vergleich für Quanteninformation hängen: Sie sei „wie ein Traum, den man nicht weitergeben kann“. Wer anfange, seinen Traum zu erzählen, erinnere am Ende nur noch das, was er gesagt habe – nicht mehr den Traum selbst. Auch Einsteins berühmter „spukhafter Fernwirkung“ nahm Bennett den Schrecken: Das sei gar keine Wirkung, sondern nur eine besonders enge Verknüpfung, eine Korrelation.

Zwischendurch streifte er Turing und Gödel, die Relativitätstheorie und die Frage, warum wir von all dieser Seltsamkeit im Alltag nichts spüren. Seine Antwort: Wir werden ständig vom Licht „belauscht“, und das zerstört den Zauber. Belehrend wirkte trotzdem nichts. Bennett machte Witze über Ingenieure, gab zu, dass Wissenschaftler es geradezu genießen, sich zu irren, und erzählte von seinen eigenen „Lieblingsirrtümern“.

Am Ende blieb weniger eine fertige Erklärung als eine Haltung – die eines Forschers, der neugierig geblieben ist. Oder, wie er den Physiker John Wheeler zitierte: „Die Welt ist einfacher und seltsamer, als man sie sich vorstellen kann.“ Ein Satz, der nach dieser Stunde auf einmal einleuchtete.

Mariia Dolharova (KS1)

Wie ein Traum, den man nicht weitererzählen kann

VeröffentlichungMittwoch, 16.09.2026

KategorienAlle Artikel, Naturwissenschaften, Physik, Veranstaltungen